Innovation Organisationsentwicklung

Zu viel Effizienz, zu wenig Neues

Kommentar Der Mittelstand in Deutschland scheut vor Investitionen in Innovationen zurück. Und klagt, ihm fehlten Fachkräfte für Innovationen. Dabei haben sie die schon im Unternehmen: ihre Mitarbeiter. Sie müssen sie nur befähigen.

Innovationen sichern die Zukunft. Wer nur auf Effizienz setzt, wird es schwer haben.

Innovation allenfalls in Sachen Effizienzsteigerung

Der deutsche Mittelstand hat es nicht so mit Innovationen. Nicht einmal jedes dritte mittelständische Unternehmen (29 Prozent) in Deutschland mit bis zu 125 Millionen Euro Umsatz will in den kommenden 36 Monaten verstärkt in Innovationen investieren. Bei Unternehmen bis 5 Millionen Euro sind es nur 20 Prozent. Innovation steht nicht im Fokus der unternehmerischen Aktivitäten. Das zeigt eine Umfrage unter 800 Unternehmen, die die DZ Bank durchgeführt hat. Und in fast allen Unternehmen ist Innovation Sache des Chefs beziehungsweise der Geschäftsführung. Dedizierte Geschäftseinheiten oder Mitarbeiter sind nirgendwo Innovationstreiber. Und bei Investitionen in Innovationen geht es in erster Linie nicht darum, mit neuen Produkten oder Services neue Geschäftsfelder zu erschließen. Im Vordergrund stehen vielmehr Effizienzgewinne. Das sagen 92 Prozent der befragten Unternehmen.

Mit anderen Worten: Das Bestandsgeschäft soll profitabler werden. Neugeschäft spielt eine untergeordnete Rolle. Das ist bedenklich. Noch bedenklicher wird das Ganze, wenn man folgenden Aspekt berücksichtigt: 61 Prozent der Unternehmen nennen den Fachkräftemangel im eigenen Unternehmen als Haupthemmnis für mehr Innovationen. Doch der ist ja kein Naturgesetz, allenfalls ist er selbstgemacht. Unternehmen haben Mitarbeiter. Und die haben das Potenzial, an Innovationen mitzuarbeiten, sie voranzutreiben. Oft können sie dieses Potenzial aber nicht entfalten, weil sie nicht gefördert werden, weil die Strukturen im Unternehmen nicht so sind, dass sie Mitarbeiter stärken. Und manchmal hindert die Art und Weise der Mitarbeiterführung die Mitarbeiter. Statt zu warten, bis die gesuchte Fachkraft endlich vorbeikommt, sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter zu den Fachkräften machen, die sie benötigen.

Strukturen, die Innovation ermöglichen, nicht behindern 

Wenn Innovation allein bei der Geschäftsführung angesiedelt ist, wenn Unternehmen nicht auf die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter vertrauen, wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht fördern und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten bieten, wenn Lernen nicht Teil der täglichen Arbeit ist, sondern höchstens als Incentive für besonders gute Mitarbeiter gesehen wird: Dann wird das tatsächlich nichts mit der Innovation. Allerdings auch nichts mit einer erfolgreichen Zukunft.

Wir brauchen Strukturen, die zu den Herausforderungen passen. Strukturen, die Innovation auf allen Ebenen möglich machen. Strukturen, die Mitarbeiter nicht passiv machen, sondern sie befähigen, aktiv an neuen Geschäftsmodellen zu arbeiten. Und wir brauchen Unternehmensleitungen, die ihren Mitarbeitern vertrauen, dass sie das Richtige tun. 

Christoph Pause
Christoph Pause
Chefredakteur Haufe Group

Christoph Pause ist Chefredakteur New Management bei der Haufe Group. Er ist seit fast 20 Jahren Journalist mit Leib und Seele und fasziniert von den Möglichkeiten, die eine mitarbeiterzentrierte Unternehmensführung Menschen und Organisationen eröffnet.

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