Innovation Digitalisierung

Oft fehlt Digital Leadership

Den Vorständen von Aktiengesellschaften in Deutschland fehlt Digitalisierungs-Wissen – und vielen Aufsichtsräten auch. Höchste Zeit für einen Uplift.

Aufsichtsräte stellen fest: Oft fehlt dem Vorstand die Kompetenz für digitale Fragen.
Aufsichtsräte stellen fest: Oft fehlt dem Vorstand die Kompetenz für digitale Fragen.

Nicht einmal jeder zehnte Aufsichtsrat beurteilt den Vorstand der von ihm kontrollierten Unternehmen als kompetent genug, um Digitalisierung und Neuausrichtung des Unternehmens an die digitalen Herausforderungen wirkungsvoll anzustoßen und zu pushen. Es fehlt schlicht an Digital-Know-how. Das zeigt die Studie "Herausforderung Digitale Transformation" des Arbeitskreises deutscher Aufsichtsräte e.V. aus dem Sommer 2017, unter anderen durchgeführt von Prof. Harald Eichsteller, Hochschule der Medien, Stuttgart.

Digitalisierungs-Know-how ist eines der wichtigsten Kriterien, wenn neue CEOs berufen werden.

Das ist nicht gut angesichts dessen, was gerade passiert. Denn drei Viertel (74 Prozent) der befragten 50 Aufsichtsräte sehen ganz klar, dass die von ihnen beaufsichtigten Unternehmen sehr deutlich von digitalen Veränderungen betroffen sind. 12 Prozent sprechen sogar von Disruption. Und viele erwarten, dass die Wertschöpfung der Unternehmen innerhalb der nächsten Dekade zu 40 Prozent mit Produkten erwirtschaftet wird, die erst in den letzten zwei Jahren auf den Markt gebracht wurden.

Digitale Disruption braucht CEOs mit Digital-Know-how

Viel Bewegung also – umso wichtiger in den Augen der Aufsichtsräte, dass sich im Vorstand, vor allem aber beim CEO digitales Wissen bündelt. Bislang fehlt das oft - siehe oben -, weshalb die Aufsichtsräte bei der Neubesetzung von Vorstandsposten, vor allem aber bei der Berufung des oder der CEO Digital-Know-how als ein entscheidendes Rekrutierungs-Kriterium betrachten. Ein Chief Digital Officer allein kann es nicht richten, so die einhellige Meinung. Allein schon, weil in 40 Prozent der Unternehmen der CEO die Verantwortung für die Digitalstrategie übernimmt.  Nur: So richtig gut macht der das in vielen Fällen nicht, nur ein Viertel der befragten Aufsichtsräte sagt, dass Vorstand und CEO ihre digitale Führungsrolle wahrnehmen. Bedenklich ist vor allem, dass gerade einmal einer von zehn Aufsichtsräten glaubt, dass die Mitarbeiter dem C-Level diese digitale Führungsrolle auch abnehmen. 

Viele Mitarbeiter glauben nicht, dass der Vorstand in der Lage ist, das Unternehmen in die digitale Zukunft zu führen.

Mit anderen Worten: Wenn ganz oben im Unternehmen die digitale Transformation schon nicht wirklich kompetent und überzeugend angegangen wird, können die Mitarbeiter erst recht nicht nach vorne schauen – davon, dass sie die Veränderungen vorantreiben, kann überhaupt keine Rede sein. Warum nicht? Weil sie nicht wissen, worum es geht und wohin es geht. Denn nur in jedem vierten Unternehmen gibt es eine regelmäßig, strukturierte Kommunikation in Sachen Digitalisierung. Warum soll vieles anders werden? Was wird dann besser? Wie können wir zum Erfolg beitragen? Und vor allem: Was haben wir, was hat jeder einzelne Mitarbeiter von den Veränderungen? Auf diese drängenden und berechtigten Fragen gibt es in zu vielen Unternehmen keine Antworten vom C-Level. Und so bewegt sich zu wenig. Oder anders gesagt: Es fehlt Digitales Leadership.

Welche internen Baustellen am größten sind und wie Unternehmen sie am besten angehen, erklärt Prof. Harald Eichsteller im Interview mit New Management.

Christoph Pause
Christoph Pause
Chefredakteur Haufe Group

Christoph Pause ist Chefredakteur New Management bei der Haufe Group. Er ist seit fast 20 Jahren Journalist mit Leib und Seele und fasziniert von den Möglichkeiten, die eine mitarbeiterzentrierte Unternehmensführung Menschen und Organisationen eröffnet.

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