Business Transformation Change Management

Erst tanzt einer, dann reißt es alle mit

Was macht Veränderung, was macht Transformation erfolgreich? Wenn Unternehmen und Mitarbeiter gemeinsam auf das Ziel hinarbeiten. Doch dazu muss jeder für sich sein Personal WHY finden. Ein kleiner Kreis beginnt und reißt dann alle mit. WHYral eben.

Erfolg wird möglich, wenn Unternehmen und Mitarbeiter eine gemeinsame Vision teilen.

Microsoft is back

Eine der überraschendsten Wiedergeburten der vergangenen Jahre ist für mich eindeutig Microsoft. Vom totgesagten und verlachten Tech-Riesen auf dem Abstieg zu einem der spannendsten, innovativsten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt in nur vier Jahren: So etwas hat es selten gegeben. Mit 110 Milliarden US-Dollar Umsatz hat Microsoft soeben sein bislang erfolgreichstes Geschäftsjahr hinter sich gebracht, seinen Börsenwert hat MS in vier Jahren verdreifacht.

Verantwortlich für den Erfolg ist CEO Satya Nadella, der damals für viele überraschend zum Nachfolger von Steve Ballmer ernannt wurde. „Niemand im Silicon Valley wollte diesen Job haben“, sagte der Investor John Thompson neulich. Nun, Nadella war bereit, und er hatte ganz offensichtlich einen Plan, den man mit „Microsoft neu erfinden“ umschreiben kann. Er beinhaltete im Wesentlichen zwei Punkte: Mitarbeitern den Stolz auf das Unternehmen und ihre Arbeit zurückgeben. Und radikal mit alten Geschäftsmodellen brechen. Nadella beschreibt in seinem Buch „Hit Refresh. Wie Microsoft sich neu erfunden hat und die Zukunft verändert“ sehr anschaulich, wie er die Mitarbeiter nach Amtsantritt ermutigte, für sich den Sinn ihrer Arbeit bei und für Microsoft neu zu finden.

Die Frage nach dem WHY: Was treibt uns an?

Wir bei der Haufe Group haben uns ebenfalls intensiv damit beschäftigt, was jeden und jede von uns täglich antreibt, für dieses Unternehmen das Beste zu geben. Denn wir sind überzeugt: Jedes Unternehmen existiert und wirtschaftet aus einem bestimmten Grund, mit einem bestimmten Ziel, einer Vision, die zu einer Mission führt. Wir nennen diesen Grund das Company WHY. Und jeder Mitarbeiter, egal in welcher Funktion und auf welcher Hierarchiestufe, hat seine ganz eigenen Gründe, ausgerechnet bei der Haufe Group zu arbeiten. Das ist das Personal WHY. Indem wir uns unsere Personal WHYs bewusst machen, mit anderen darüber sprechen und mit dem Company WHY abgleichen, findet jede/r von uns sein sogenanntes Shared WHY, das, was die eigenen Antriebe und die Unternehmens-Mission gemeinsam haben. Dieses Shared WHY ist das, was Mitarbeiter und Unternehmen eint und gemeinsam nach vorne treibt. Und den Mut gibt, völlig neue Wege zu gehen und Altes abzustreifen.

Einer startet den Tanz - die anderen folgen nach und nach

Ähnlich sind Satya Nadella und Microsoft vorgegangen. Anfangs im kleinen Kreis, der CEO mit den 20 höchsten Führungskräften, moderiert von externen Facilitatoren. Nadella beschreibt sehr schön, wie fremd sich diese Truppe mit dem Format und der Diskussion über Werte und WHYs gefühlt hat. Ein bisschen wie ein Tänzer auf einer Wiese, der sich ganz allein im Kreis dreht, und alle anderen gucken zu. Doch nach und nach steigen die ersten Zuschauer ein und machen mit.

So auch bei Microsoft. Erst haben sich Nadella und seine Führungsspitze aligned. Dann haben sie anderen davon erzählt, sie zum Mitmachen aufgefordert. Und langsam, aber stetig, hat das Verbreitung in dem ganzen Riesenkosmos Microsoft gefunden. Je mehr Leute mitgemachten, desto stärker wurde die Welle, desto schneller ging es am Ende.

So hat die oberste Führung die Grundlage gelegt für den radikalen Umbau der Geschäftsstrategie, für die massiven Investitionen in die Cloud. Das gemeinsame Ziel auf Basis geteilter Werte hat es möglich gemacht, dass Microsoft innerhalb weniger Jahre zur klaren Nummer 2 im Markt für Public Cloud Services geworden ist. Hinter Amazon, aber deutlich vor Google. Und das gemeinsam erarbeitete Ziel hat es ebenfalls ermöglicht, dass Microsoft sich davon gelöst hat, allein auf das Betriebssystem Windows zu setzen. „Mobile first“ und „Cloud first“ – mit diesen Motti hat Microsoft es geschafft, Irrwege wie das Smartphone-Geschäft zu verlassen und völlig neue Geschäftsmodelle wie Office 365 erfolgreich in den Markt zu tragen. Weil alle davon überzeugt sind, dass es der richtige Weg ist. Weil dieser Weg der eigenen Arbeit wieder Sinn und Stolz auf das Geleistete gibt. Und weil dieser Weg deshalb erfolgreich ist.

Ein Ausdruck der WHYral Transformation bei Haufe: Die Netzwerkinitiative - mit Ideenpitches alle drei Monate zum Beginn einer Iteration.
Ein Ausdruck der WHYral Transformation bei Haufe: Die Netzwerkinitiative - mit Ideenpitches alle drei Monate zum Beginn einer Iteration.

Transformation: Ein Funken entfacht einen Flächenbrand

Das war ein hartes Stück Arbeit für alle, wie Nadella in „Hit Refresh“ offen schreibt. Es handelte sich schließlich um einen riesigen Change. Er ist gelungen, weil die Mitarbeiter mit ihren Shared WHYs selber die Treiber der Veränderungen waren und sind. „Mobile First“ und „Cloud First“ kann in einem Unternehmen wie Microsoft kein noch so starker Leader von oben verordnen. Wenn niemand der neuen Richtung folgt, läuft die Bewegung ins Leere. Wenn aber alle, jeder für sich und gemeinsam mit anderen, für sich entdeckt, dass der neue Weg für ihn persönlich Sinn ergibt, dann werben die Early Birds bei den anderen für diesen Weg. Und die holen weitere Mitarbeiter dazu. Auf einmal entsteht eine Bewegung, bottom-up. Und trifft auf die Strategie, die von oben kommt. Das entfacht eine Welle, die weit trägt.  Wir von Haufe nennen das WHYral Transformation. Und leben es jeden Tag ein bisschen mehr.

 

Marc Stoffel
Marc Stoffel
CEO Haufe-umantis AG

Marc Stoffel ist CEO der Haufe-umantis AG. Das Besondere dabei: Seine Mitarbeiter haben ihn in diese Rolle gewählt. Sie schätzen an ihm vor allem seine Begeisterungsfähigkeit, seine Kreativität und die Fähigkeit, auch unangenehmes Feedback produktiv umsetzen zu können.

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