Innovation Business Transformation

Ohne Strategie keine Kultur, ohne Kultur keine Strategie

Interview Wie schaffen Unternehmen eine Kultur, die offen, agil und Mitarbeiter-orientiert ist? "Damit Transformation gelingt, braucht es aber vor allem Menschen, die das wollen und mutig angehen", sagt Helmut Blocher von Succus, der Macher des Corporate Culture Jam Ende September in Düsseldorf.

Eine offene, Mitarbeiter-zentrierte Unternehmenskultur schafft Freiraum für Innovation und Erfolg.

Ambidextrie meistern

Herr Blocher, zwei Tage rund um Corporate Culture: Warum? Was macht Unternehmenskultur so wichtig?

Wenn es um Digitalisierung und Innovation geht, wurde und wird sehr oft über Technologie gesprochen. Damit Transformation gelingt, braucht es aber vor allem Menschen, die das wollen und mutig angehen.

Ohne Kulturwandel keine nachhaltig erfolgreiche Strategie, meint Helmut Blocher.  Foto: Succus
Ohne Kulturwandel keine nachhaltig erfolgreiche Strategie, meint Helmut Blocher. Foto: Succus

 

Was ist Corporate Culture eigentlich? Und lässt sie sich überhaupt steuern? Kultur hat ja eher etwas Graswurzelhaftes...

Erfolgreiche Unternehmen kennen die eignen Werte, Haltungen und Prinzipien. Gerade die Frage nach dem Sinn beschäftigt die Menschen zunehmend. Gewinnorientierung allein reicht schon lange nicht mehr. Vor allem junge Mitarbeiter wollen wissen, was der Beitrag des Unternehmens für die Gesellschaft ist. Immer mehr Unternehmen stellen sich daher Fragen, wie etwa, was nützt und was schadet den SDGs (Sustainable Development Goals der UNO).

Damit Transformation gelingt, braucht es aber vor allem Menschen, die das wollen und mutig angehen. 
Helmut Blocher, CEO Succus

Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob Unternehmenskultur steuerbar ist, oder auch darüber, was den Kulturbegriff überhaupt ausmacht. Wir sehen das beim Corporate Culture Jam pragmatisch. Klar ist, dass die gemeinsamen Werte, der Umgang miteinander, aber auch die Vision und die Mission zentral für den gemeinsamen Erfolg sind. Top down lässt sich die „richtige“ Unternehmenskultur sicher nicht verordnen, gerade das wollen wir beim Jam transparent machen. Auf dem Fundament stabiler Werte lässt sich in das Unbekannte, in die Zukunft aufbrechen.

Corporate Culture Jam 2018
Zwei Tage rund um Unternehmenskultur und Change
Programm, Referenten, Infos

Peter Druckers Erkenntnis „Culture eats strategy for breakfast“ wird immer wieder zitiert, wenn die Sprache aufs Thema kommt. Heißt das, Unternehmen müssen erst einmal jahrelang Cultural Change machen, bevor sie wieder ernsthaft Strategiearbeit leisten können? 

Change als Selbstzweck ist suspekt. Wir müssen uns in den Unternehmen aber die Frage stellen, wer wir sind und wer wir sein wollen. Was braucht es jetzt und in Zukunft, um erfolgreich zu sein? Ich würde dem Zitat von Peter Drucker gerne einen Spruch von Mike Tyson hinzufügen: „Everybody has a plan ’till they get punched in the face.“ Die beste Strategie nützt mit dem falschen Mindset oder den nicht dazu passenden Skills der Menschen, die sie umsetzen sollen, ebenso wenig, wie ein Geschäftsplan, der nicht auf plötzliche Ereignisse im Marktumfeld reagieren kann. Die wichtigste Herausforderung für Unternehmen ist es heute, einerseits das erfolgreiche Kerngeschäft zu optimieren, gleichzeitig aber in eine weitgehend unbekannte Zukunft aufzubrechen. Wir nennen es das Meistern der Ambidextrie.

Viel Interaktion, viel Kommunikation - das ist der Corporate Culture Jam.  Foto: Succus
Viel Interaktion, viel Kommunikation - das ist der Corporate Culture Jam. Foto: Succus

Wie läuft der Corporate Culture Jam ab? 

Die Basis im Jam ist die Zehnergruppe, die in einem halboffenen Kreis um das imaginäre Lagerfeuer sitzt. Bei 120 Teilnehmenden werden wir 12 solche Kreise haben, in denen diskutiert, verdaut und gejammt wird. Der rote Faden spinnt sich dann entlang eines Wechsels von Keynotes, Praxis pur und ungeschminkt, sowie einer ganzen Reihe von interaktiven Workshops, aus denen man sein eigenes Programm wählen kann.

Ich wurde geschüttelt, war gerührt und bebe noch nach.

Das Coole am Jam ist, dass es keine HR-Konferenz ist, sondern ein Format zu Transformation. Daran nehmen Geschäftsführer genauso teil, wie Verantwortliche aus den Bereichen Innovation, Digitalisierung, Transformation, Branding, Kommunikation und natürlich auch HR. Gerade dieser Mix macht den Austausch so frisch und belebend. Dazu kommt, dass zwar viele von agilen Events reden, wir es aber auch konsequent vor Ort durchhalten. Mein Lieblingszitat einer Teilnehmerin ist „Ich wurde geschüttelt, war gerührt und bebe noch nach.“

Christoph Pause
Christoph Pause
Chefredakteur Haufe Group

Christoph Pause ist Chefredakteur New Management bei der Haufe Group. Er ist seit fast 20 Jahren Journalist mit Leib und Seele und fasziniert von den Möglichkeiten, die eine mitarbeiterzentrierte Unternehmensführung Menschen und Organisationen eröffnet.

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