Innovation Agilität

Von Banken und Booten

Kommentar Banken erleben Disruption und neuen Wettbewerb. Sie müssen sich schnell den veränderten Anforderungen anpassen, denn Filialschließungen allein sind keine Lösung. Innovation ist gefragt. Und das heißt vor allem: Eine neue Unternehmenskultur zu schaffen.

Innovation beginnt im Kleinen.
Innovation beginnt im Kleinen.

Filialschließung is not the answer

Landauf, landab schließen Banken und Sparkassen Filialen. Ganze Dörfer sind mittlerweile ohne Niederlassung, meist gibt es nicht einmal mehr Geldautomaten. Nichts könnte besser den Umbruch im Bankenwesen zeigen, als diese Schließungen. Denn sie kosten die Unternehmen Sympathien ihrer Kunden. Das merkt man an den erhitzten Diskussionen in der jeweiligen Lokalpresse. Geldhäuser werden für die Schließungen kritisiert und angefeindet. Dabei sind sie allein im veränderten Kundenverhalten begründet: Online-banking setzt sich durch, für Überweisungen suchen heute nur noch wenige Menschen den physischen Kontakt zu einem Bankmitarbeiter. Selbst Kreditgeschäfte laufen heute komplett über das Internet. Und Geld abheben kann man bei Aldi.

Wettbewerber kommen aus ungeahnten Richtungen

Finanzinstitute stehen vor einem gewaltigen Umbruch. Sie durchleben, was andere Branchen ebenfalls erleben.  Kunden stellen bisherige Geschäftsmodelle in Frage, fordern neue Angebote ein – und haben mehr Auswahl denn je. Denn Wettbewerber kommen nicht nur im Finanzwesen aus Ecken, die etablierte Player nicht auf dem Schirm haben. Der Logistiker Deutsche Post DHL war auf der Suche nach elektrisch betriebenen LKWs für seine Flotte in Städten. Doch keiner der klassischen Automobilhersteller wollte diesen Auftrag annehmen. Kein Interesse, lohnt sich nicht – so und so ähnlich schallte es aus den Chefetagen der Autokonzerne zurück. „Dann machen wir es eben selbst“, meinten die Verantwortlichen bei DHL. Und haben StreetScooter gekauft, ein Spinoff der RWTH Aachen. Ergebnis: Die Deutsche Post DHL ist mittlerweile einer der größten Anbieter elektrisch betriebener Nutzfahrzeuge – für den eigenen Gebrauch, aber auch für den Markt.

Vor wenigen Jahren noch undenkbar: Die Deutsche Post DHL ist mittlerweile einer der größten Anbieter elektrisch betriebener Nutzfahrzeuge.

Die Wettbewerber für Banken heißen PayPal oder Apple Pay. Und wer garantiert, dass nicht morgen einer der Tech-Riesen ins Geschäft mit Krediten einsteigt? Amazon bietet bereits zinslose Ratenzahlung an, kostet nicht mehr als einen Zusatzklick.

Kein Patentrezept für Banken

Die Herausforderungen für den Bankensektor sind riesig. Und es gibt kein Patentrezept für Lösungen. Die Herausforderungen sind so neu und anders, dass Unternehmen keine Erfahrungen und schon gar keine Routine im Umgang damit haben. Eins aber ist sicher: Banken müssen Organisationen schaffen, die sie schneller, agiler und innovativer machen. Und mutiger. Besser sie kannibalisieren sich selbst, als dass andere sie aus dem Markt drängen. Filialschließungen mögen nötig sein im Sinne der Effizienz, aber innovativ sind sie nicht …

Innovation ist eine Frage von Kultur und Mindset.
Linda Hill, Harvard Business School

Eine Bank, die sich auf den Weg zu mehr Agilität und Innovation gemacht hat, ist eine Immobilienbank aus Berlin. Unterstützt von Haufe hat sie Mitarbeiter eingeladen, gemeinsam mit der Geschäftsführung tradierte Strukturen zu überdenken und Neues zu wagen. „Unser Ziel war es, die Unternehmenskultur zu verändern“, sagt die Bereichsleiterin Persona (siehe Video).

Denn die Unternehmenskultur ist die Grundlage für den gesamten Change. Wenn die Menschen in der Organisation nicht hierarchieübergreifend angstfrei und an der Sache orientiert ganz offen miteinander reden können, wenn Silos die Zusammenarbeit erschweren oder verhindern, dann können Unternehmen nicht agiler und innovativer werden. „Innovation ist eine Frage von Kultur und Mindset“, betont Linda Hill, Professorin an der Harvard Business School. Und der Strukturen, die Kultur und Mindset abbilden.

Die Unternehmenskultur ändern

Innovationen vorantreiben, ohne das Bestandsgeschäft zu vernachlässigen – so lautet die Aufgabe auch für Banken. Viele setzen dabei auf die Zusammenarbeit mit Start-ups. Das kann helfen, aber häufig löst es die Probleme nicht. Denn in der Regel versanden die Initiativen von außen, sobald sie ins Unternehmen geholt werden. Besser ist es, intern Strukturen aufzubauen, die Innovationen ermöglichen, und eine Innovationskultur zu schaffen. Haufe nennt das PeopleOS – ein Betriebssystem für Organisationen, mit dem das Bestandsgeschäft und die Zukunftsinitiativen gesteuert werden können. Die grundlegende Idee hat Hermann Arnold im „Maritimen Manifest“ formuliert. 

Die Organisation lässt quasi eine Reihe von agilen Flößen zu Wasser, die sich durch die Wildwasser der Innovation navigieren, ohne genau zu wissen, wo Stromschnellen oder Wasserfälle lauern. Nach und nach erreichen sie ruhigere Wasser, sprich, ein marktfähiges Produkt, das an die Standardstrukturen übergeben werden kann – im maritimen Bild ein Dampfer. Danach können sich neue Flöße auf die Suche nach Innovationen begeben.

 

Christoph Pause
Christoph Pause
Chefredakteur Haufe Group

Christoph Pause ist Chefredakteur New Management bei der Haufe Group. Er ist seit fast 20 Jahren Journalist mit Leib und Seele und fasziniert von den Möglichkeiten, die eine mitarbeiterzentrierte Unternehmensführung Menschen und Organisationen eröffnet.

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