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Trotz Corona: Wir haben Grund zur Zuversicht

Studie Wir leben in unsicheren Zeiten. Corona stellt uns vor große Herausforderungen, wann es wieder normal wird, wissen wir nicht. Dennoch: Wir können unsere Zukunft gestalten. Das zeigt die aktuelle Studie "Wir nach Corona" von Haufe.

Foto: Jan Tinneberg on Unsplash
Foto: Jan Tinneberg on Unsplash

Optimismus ist gerechtfertigt

Die Zuversicht wächst. Der erstmals wieder gestiegene Ifo-Index zeigt es an. Und das ist gut so. Denn Zukunft wird gemacht. Wir aber waren dabei, sie zu zerreden. Das hilft niemandem. Auch wenn die Misere augenscheinlich ist. Corona, Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen und das Stilllegen des öffentlichen Lebens haben alle Unternehmen getroffen. Und eine harte Rezession ist unausweichlich.

Szenarien für eine neue Arbeitswelt
Für die Studie "Wir nach Corona. Szenarien für eine neue Arbeitswelt" hat Haufe über 1.600 Menschen aus Unternehmen in der DACH-Region zu ihren Zukunftsaussichten befragt. Das Ergebnis stimmt verhalten optimistisch: Die meisten rechnen damit, ab Anfang 2021 wieder auf Wachstumskurs zu gehen. 
Zum Download der Studie

Dennoch sollten wir differenzieren. Denn die Wirklichkeit ist nicht schwarz und weiß. Und die Zukunft noch viel weniger.

Unternehmen reagieren ganz unterschiedlich auf die Krise und blicken unterschiedlich auf die nahe und fernere Zukunft. Das zeigt unsere Studie „Wir nach Corona. Szenarien für eine neue Arbeitswelt“ sehr deutlich. Für die Studie haben wir Ende April über 1.600 Menschen aus Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt, von der obersten Führungsebene bis zu MitarbeiterInnen ohne Führungsfunktion.

Die Erhebung zeigt: Wie die Befragten und ihre Unternehmen auf die Krise reagieren und auf die Zukunft blicken, ist abhängig von Faktoren wie

  • ihre Betroffenheit durch Umsatzeinbrüche
  • ihre Befindlichkeit mit Blick auf die Zukunft des eigenen Unternehmens
  • ihren Blick auf den eigenen Markt und das Kundenverhalten
  • ihre Budgets zu investieren und
  • ihre Bereitschaft zur Veränderung sowie Entschlossenheit im Handeln.
Wirklich abgehängt sind nur etwa 15 Prozent der Unternehmen.
Wirklich abgehängt sind nur etwa 15 Prozent der Unternehmen.

Vier unterschiedliche Cluster

Vor diesem Hintergrund haben sich in unserer Umfrage vier große Cluster herausgeschält, die auf je eigene, charakteristische Weise auf die Zukunft blicken und den Herausforderungen begegnen wollen:

-       „die Schlagkräftigen“ (26 Prozent der Stichprobe), die Marktchancen sehen, durchweg optimistisch sind und durchstarten wollen

-       „die Hoffnungsvollen“ (29 Prozent der Stichprobe), die wirtschaftliche Herausforderungen sehen, ihnen aber im Vertrauen auf die eigenen Stärken und die eigene Anpassungsfähigkeit glauben erfolgreich begegnen zu können

-       „die Unsicheren“ (30 Prozent der Stichprobe), die skeptisch in die Zukunft blicken und nicht genau wissen, wie sie die Entwicklungen bewerten sollen und wie sie auf sie reagieren wollen

-       „die Resignierten“ (15%), die die volle Wucht der Pandemiefolgen abbekommen, sich im Krisenmanagement aufreiben und nur noch wenig Handlungs- und Gestaltungsspielraum sehen.

Deshalb will ich gegen die grassierende Depression hier drei gute Nachrichten hervorheben!

Die erste gute Nachricht lautet: Die Zahl der ernsthaft in ihrer Existenz bedrohten Unternehmen ist natürlich beunruhigend, aber dennoch überschaubar. Ihr Anteil liegt nach unserer Erhebung bei 15 Prozent. Diesen Unternehmen fehlt Liquidität und Kraft, um lange durchzuhalten und sich den Konsequenzen der Pandemie-Bekämpfung entgegen zu stellen. Sie haben sich in der Krisenbewältigung aufgerieben und den Glauben an die Zukunft fast verloren. Ihnen muss geholfen werden.

Die Unternehmen lassen sich vier Clustern zuordnen. Jedes geht auf seine eigene Art mit den Herausforderungen um.
Die Unternehmen lassen sich vier Clustern zuordnen. Jedes geht auf seine eigene Art mit den Herausforderungen um.

Mehrheit hat die Kraft zu gestalten

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: 85 Prozent können ihr Schicksal gestalten. Sie sind schon jetzt auf der Suche nach ihrem individuellen Weg aus der aktuell belastenden Situation. Sie arbeiten bereits am Morgen, denn ihre Ausgangslage ist insgesamt so, dass sie in Richtung Zukunft blicken können und wollen. Zu ihnen gehören die Schlagkräftigen, die Hoffnungsvollen und die Unsicheren.

Die zweite gute Nachricht: 54 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, ab 2021 wieder zu wachsen. Mit weiter rückläufigen Umsätzen rechnen demgegenüber nur 38 Prozent der Befragten. 

Die Studie "Wir nach Corona" zeigt: 85 Prozent der Unternehmen können ihr Schicksal gestalten. Sie sind schon jetzt auf der Suche nach ihrem individuellen Weg aus der aktuell belastenden Situation und arbeiten bereits am Morgen.

Besonders leicht hat es das Cluster der Schlagkräftigen (26 Prozent). Sie sind von der Krise kaum betroffen, weil ihre Produkte und Services gerade jetzt gebraucht werden und eine große Nachfrage erfahren, zum Beispiel Anbieter von Cloud-Diensten oder von digitalen Weiterbildungs-Services oder bestimmte Bereiche aus der Medizintechnik. Diese Unternehmen sind im Denken und im Tun schon über die Krise hinaus.

Ab Anfang 2021 erwarten die meisten wieder positives Wachstum.
Ab Anfang 2021 erwarten die meisten wieder positives Wachstum.

 

Aber auch unter den Unsicheren ist die Zahl derjenigen hoch, die mit positiver Umsatzentwicklung rechnen. Dass sie dennoch eher skeptisch in die Zukunft schauen, bringt uns zur dritten guten Nachricht (auch wenn das jetzt widersinnig scheint).

Die dritte gute Nachricht lautet nämlich: Man kann etwas tun. So wie es das Cluster der Hoffnungsvollen (29 Prozent) vormacht. Sie erleben zwar herbe Umsatz- und Auftragsrückgänge. Sie sind allerdings überzeugt von ihren Stärken und glauben fest daran, mit ihren bestehenden Angeboten und neuen Ideen in den kommenden Monaten wieder Fuß zu fassen. Sie bauen auf ihre kreativen, tatkräftigen MitarbeiterInnen, und sie vertrauen ihrer Anpassungsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft. Dazu gehören auch Unternehmen, deren Märkte über Nacht zusammengebrochen sind, die aber ganz schnell umgestellt haben. Etwa Messebauer, die seit Wochen Spuckschutzwände aus Plexiglas herstellen und einbauen oder Textilhersteller, die Mund-Nasen-Masken produzieren.

Orientierung gesucht

Genau hier liegt das Problem der größten Gruppe der Unsicheren (30 Prozent). Sie agiert zögerlich und sucht nach Orientierung. Das verwundert, denn sie sind von Umsatzrückgängen weniger stark betroffen als die Hoffnungsvollen. Sie brauchen Rat und Begleitung und müssen wohl auch in digitale Infrastruktur und die Kompetenzen ihrer MitarbeiterInnen investieren. Aber sie können das tun, denn die wirtschaftliche Lage und die mittelfristigen Aussichten stimmen.

Bleibt also noch ein letzter Blick auf die schlechte Nachricht, die Lage der Resignierten. Ihnen fehlen zum großen Teil Geld und wirtschaftliche Perspektiven. Sie sind mehr als die anderen Cluster abhängig von den politischen Pandemie-Maßnahmen, zum Beispiel die gesamte Tourismusindustrie. Oder sie müssen auf eine schnelle Wiederbelebung der Konjunktur hoffen, weil sie von Werbegeldern abhängig sind wie etwa Medienhäuser. Manche stehen auch vor einem massiven Umbruch ihrer Märkte, der gar nichts mit Corona zu tun hat, wie die Automotive-Branche, die schon vor Corona massive Herausforderungen zu bewältigen hatte. 

Mut zum Aufbruch

In Summe machen mir daher unsere Ergebnisse Mut. Sie zeigen mir: Wir haben allen Grund, nicht schwarz zu malen. Wir können und sollten die Zukunft gestalten. Corona ist nicht der Zusammenbruch, jetzt geht es um Aufbruch. Mit klugen Entscheidungen, der Bereitschaft, sich den jeweils neuen Situationen anzupassen und wohl überlegten und wohl dosierten Investitionen. In meinem Alltag als Führungskraft bei Haufe versuche ich, dieser Herausforderung gerecht zu werden – gemeinsam mit den Menschen im Unternehmen. Auch wenn das heute schwerer denn je ist.