Business Transformation Innovation

Innovation everywhere

Kommentar Innovation braucht einen langen Atem. Und ein Umfeld, in dem alle Menschen innovativ sein können. Denn Innovation ist ganzheitlich. Disruptiv UND im Kerngeschäft. Wenn alle innovativ arbeiten, schaffen wir Aufbruchsstimmung. In der gesamten Organisation.

Innovation braucht die Lust zum Aufbruch. Und einen weiten Blick. Foto: Joakim Nadell
Innovation braucht die Lust zum Aufbruch. Und einen weiten Blick. Foto: Joakim Nadell

Alle müssen die Chance haben, innovativ zu sein

„The competition of today and of tomorrow is about end to end experience for the customer. Therefore the whole enterprise has to be prepared to be innovative“, sagt die Innovationsforscherin Linda Hill von der Harvard Business School in einem Interview mit dem Portal New Management. Sie spricht mir damit aus der Seele. Innovationsfähigkeit ist der entscheidende Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Und innovationsfähig sind Unternehmen nur, wenn alle Menschen in der Organisation die Chance haben, innovativ zu werden. Die Trennung in einige wenige Innovatoren und den großen Rest, der Dinge nur abarbeitet, die andere entwickeln, verhindert das. „We all have to have an innovative mindset“, erklärt Linda Hill.  

Widerstände überwinden

Innovation heißt Aufbruch. Neues wagen, immer wieder. Haufe ist seit Jahrzehnten erfolgreich in den Kernmärkten HR, Finance und Steuern. Zuerst mit Loseblattwerken und Büchern. Dann mit digitalen Formaten. Es gab dabei durchaus Widerstände im eigenen Haus zu überwinden. Denn jede Diskette und jede CD, die wir verkauft haben, hat die eigenen Printprodukte angegriffen. Doch wir sind diesen Weg konsequent gegangen. Weil uns klar war, dass wir ihn gehen müssen. Sonst würden andere es tun – und wenn uns schon jemand angreift, dann doch lieber wir selbst. Doch das alles war kein Selbstläufer. Es gab technische Herausforderungen. Hatte ja noch niemand bei uns gemacht, ein Printprodukt zu digitalisieren und nutzerfreundlich für die Arbeit am Computer aufzubereiten.

Die Furcht vor der eigenen Courage

Es war ein langer Weg mit einigen Rückschlägen, kein einmaliger Big Bang. Und bei jedem Rückschlag, bei jedem verfehlten Etappenziel kamen die Skeptiker aus ihrem Haus und haben gerufen: „Seht Ihr, funktioniert nicht. Ihr verbrennt Geld, das wir verdienen! Besser, Ihr lasst das sein.“

Innovation – das ist nicht der eine Big Bang. Innovation ist ein langer Weg, auch mit Rückschlägen, den man bis zum Ende gehen muss. 

Dasselbe geschah, als das Internet noch in den Kinderschuhen war. Wir haben von Anfang an im Web einen Weg gesehen, unsere Kunden besser zu unterstützen und ihnen ihren Arbeitsalltag zu erleichtern. Wieder galt es, Widerstände zu überwinden, mit Skepsis und Zweifeln umzugehen. Denn so, wie die CD-ROM das Loseblattwerk bedroht hatte, bedrohte das Internet die CD und unsere damaligen digitalen Angebote. Und auch hier ging der Wechsel lange nicht so schnell, wie geplant. Die Herausforderungen waren groß, wir haben Fehler gemacht, Lehrgeld bezahlt und hohe Investitionen getätigt. Ohne, dass klar gewesen wäre, dass das Ganze letztlich erfolgreich wird.

Innovation im Kern

Wir haben auf Basis des Erreichten in den vergangenen zehn Jahren viele Initiativen gestartet – aus dem heraus, was man gemeinhin Bestandsgeschäft nennt. Diese Initiativen standen anfangs unter Rechtfertigungsdruck. Und der Anfang war lang. Denn es dauert, bis eine Idee zum marktreifen Produkt wird. Lernen mit unseren Kunden, iterieren, prüfen, verwerfen, neu ansetzen. Und sobald alles passt: Gas geben, wachsen und immer wieder nachjustieren entlang des Wegs. Kurzfristig betrachtet, hätte man viele Projekte nach einigen Jahren stoppen müssen. Zu teuer, zu ineffizient, zu wenig effektiv, zu langwierig.

Innovation braucht einen langen Atem. Innovatoren auch. Und Kraft, um Skeptiker zu überzeugen.

Doch wir haben durchgehalten. Gegen alle Zweifel, die wir selber hatten. Gegen Widerstände aus unterschiedlichen Richtungen: „Braucht niemand“, „Wird nichts“, „Das bringt nichts“ waren einige der Ein- und Vorwürfe. Am Gewichtigsten war aber der Einwand, es wäre sinnvoller, die ganze Energie, das Können und Wissen der Menschen nicht ins vermeintlich absterbende Bestandsgeschäft zu stecken. Sondern lieber in völlig neue Produkte. Die den Markt disruptieren und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Mit völlig neuen Kunden. Man braucht viel Kraft, immer wieder klarzustellen, dass auch und gerade im Stammgeschäft immer wieder Neues kommen muss. Weil Stillstand Rückschritt bedeutet. Weil Kunden es nicht lange mitmachen, wenn wir ihnen Jahr um Jahr Dasselbe liefern ohne jede Veränderung.

Versuch das Unmögliche!

Wohlgemerkt: Natürlich müssen Unternehmen immer das Unmögliche denken und sich überlegen, was in fünf oder zehn Jahren nötig sein wird. Das Drama der deutschen Autoindustrie führt es uns täglich vor Augen. Alle haben Elon Musk ausgelacht. Wie kann ein Branchenfremder aus dem Nichts ein Elektroauto bauen, das noch dazu gut aussieht, funktioniert und Begehrlichkeiten weckt?! Im Moment setzt er die Maßstäbe, etablierte Unternehmen haben Nachholbedarf.

Natürlich müssen Unternehmen immer das Unmögliche denken. Natürlich braucht es die Incubation Zone. Aber wir müssen auch das, was schon da ist, immer besser machen. Und damit wachsen.

Natürlich braucht es die Incubation Zone, wie Geoffrey Moore das nennt. Unternehmen müssen permanent das nächste große Ding suchen, das alles verändert. Damit sie nicht machtlos am Spielfeldrand stehen, wenn der Markt sich dreht. Wir dürfen dabei aber das für manche langweilig scheinende Bestandsgeschäft nicht vernachlässigen. Und die Kraft, das Wissen, das Können und die Erfahrung der Menschen im Unternehmen nutzen, auch und gerade hier immer wieder Neues zu entwickeln. Ich rede nicht von den notwendigen kleinen, inkrementellen Verbesserungen an einem Produkt. Ich meine wirklich Neues, das unser Portfolio im Kerngeschäft erweitert, uns neue Kundensegmente bringt und bestehende Kunden enger an uns bindet.

Innovationen schaffen permanente Aufbruchsstimmung

Diese Innovationen lösen im Kerngeschäft bei den Menschen, in Teams, in den einzelnen Bereichen und im gesamten Unternehmen eine permanente Aufbruchsstimmung aus. Eine Lust auf Neues, die das Bestehende respektiert und erfolgreich in die Zukunft führen möchte. Diese Aufbruchsstimmung entfaltet eine ungeheure Dynamik und großes Engagement. Diese Erfahrung durfte und darf ich bei immer wieder Haufe machen. Dafür bin ich dankbar. Und arbeite wahnsinnig gern hier zusammen mit den KollegInnen.