New Work Organisationsentwicklung

Arbeitnehmervertreter: Mit Mut zu Vorreitern von New Work!

Gewerkschaften und Betriebsräte haben die Chance, die Transformation aktiv zu gestalten und Vorreiter von New Work zu werden. Sie brauchen nur Offenheit und Mut.

Arbeitnehmervertreter können das Heft des Wandels selbst in die Hand nehmen. Sie müssen nur wollen.
Arbeitnehmervertreter können das Heft des Wandels selbst in die Hand nehmen. Sie müssen nur wollen.

Mitbestimmung neu denken

Mitbestimmung und New Work im Dialog – so lautete der interessante Titel einer Podiumsdiskussion des Projekts „Empowerment in der digitalen Arbeitswelt“ (EdA) , an der ich vor kurzem teilnehmen durfte. Das Setting: Gewerkschaft trifft auf ehemaliges Keller-Start-up; klassische Vertreterin der Old Economy auf demokratisch gewählten CEO eines Technologie-Anbieters, der das eigene Unternehmen auch als Experimentierfeld für New Work versteht. Die zentrale Erkenntnis unseres Gesprächs: Haben Gewerkschaften und Betriebsräte die Offenheit für mutige Experimente, werden sie zu Vorreitern von New Work!

New Management heißt auch New Mitbestimmung.

Digitalisierung fordert eine neue Art von Mitbestimmung

Gewerkschaften haben schon immer das Ziel verfolgt, mehr Demokratie in die Unternehmen zu bringen. Dafür muss man jedoch keine Betriebsräte wählen – das ist Mitbestimmung von gestern. Die Mitbestimmung von heute lautet: Mitarbeiter führen Unternehmen. Bei Haufe-umantis machen wir bereits seit unserer Gründung vor 18 Jahren sehr gute Erfahrungen damit, unsere Mitarbeiter in alle relevanten Entscheidungen einzubeziehen – von der Wahl des Managements über die Strategie bis hin zur Einstellung oder Entlassung von Kollegen. Das ist oft (auch emotional) anstrengend, bedeutet aber auch bessere, weil fundiertere Entscheidungen und ein starkes Commitment der Mitarbeiter. Und diese Erkenntnis ist bereits in etlichen Konzernen angekommen. Bei der Deutschen Telekom AG etwa haben 2017 rund 140 Beschäftigte der Kommunikationsabteilung vier Mitarbeiter-Vertreter in den Führungskreis gewählt. Der Betriebsrat unterstützte das Projekt ausdrücklich und stellte sogar den Wahlleiter. In meinen Augen ist dies nur folgerichtig.

Betriebsrat und Management: Vereint euch!

Unternehmen müssen agiler werden – dieser Leitsatz ist (fast) so alt wie die digitale Transformation. Und die Betriebsräte haben es (mit) in der Hand: Sie können unter dem Schutzschild des Betriebsverfassungsgesetzes als Bremser agieren und damit dazu beitragen, die Firmen an die Wand zu fahren. Oder sie durchbrechen die alte Frontenbildung und suchen den offenen Austausch mit der Unternehmensführung.

Betriebsräte müssen mitgestalten wollen, Unternehmensführungen aus Mitarbeitern Mitgestalter machen wollen.

Für mich ist dabei klar: Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke! Das gilt selbstverständlich für beide Parteien. Auch die Unternehmensführung muss sich anpassen und aus Mitarbeitern Mitgestalter machen. In unseren Augen eine gute Lösung dafür: Ein mitarbeiterzentriertes Betriebssystem, in dem je nach Bedarf sowohl top-down als auch agil geführt wird. Diese Ambidextrie überwindet das traditionelle Gegeneinander von Belegschaft und Management und führt dazu, dass beide gemeinsam als Vorkämpfer für Unternehmenserfolg, Agilität und New Work auftreten.

Schnelle Experimente für mehr New Work

Haben Unternehmensführung und Betriebsrat die alten Grabenkämpfe überwunden, entsteht Raum für mutige Experimente. Egal ob Unternehmen wie die Telekom AG und ihre Führungskräftewahlen oder die Flexibilisierung der tariflichen Ruhezeiten bei der Daimler AG: Nur durch Selbermachen lernen wir – und Best Practices im Bereich New Work sind (noch) dünn gesät. Wie bei allen Experimenten empfiehlt es sich, in iterativen Schritten vorzugehen und auf den Build-Measure-Learn-Zyklus zu setzen: Nach dem Bau eines ersten Prototypen oder dem Einsetzen einer Pilotgruppe, wird die Wirkung gemessen. Entweder, um anhand der Ergebnisse rasch Verbesserungen vorzunehmen oder – bei mangelhaften Resultaten – das Experiment schnell zu beenden. Denn es ist allemal besser, früh zu scheitern, als lange auf die perfekte Lösung zu warten. Von daher mein Appell: Arbeitnehmervertreter, wartet nicht auf die Politik, nutzt die bestehenden Freiräume und macht unsere Unternehmen besser und mutiger!

Marc Stoffel
Marc Stoffel
CEO Haufe-umantis AG

Marc Stoffel ist CEO der Haufe-umantis AG. Das Besondere dabei: Seine Mitarbeiter haben ihn in diese Rolle gewählt. Sie schätzen an ihm vor allem seine Begeisterungsfähigkeit, seine Kreativität und die Fähigkeit, auch unangenehmes Feedback produktiv umsetzen zu können.

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