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#51 Julian Zuber, CEO von GermanZero, Über Klimaschutz

Podcast Die Corona-Pandemie hat das Thema Klimaschutz in den vergangenen Jahren von der öffentlichen Agenda größtenteils verdrängt. Wann sich das wieder ändern wird und über die Bedeutung von intersektionalen Ansätzen und großen Hebeln für ein besseres Klima spricht Dr. Julian Zuber, CEO der Klima-NGO GermanZero, in Episode #51 von ErfolgsgeDANKE.

Julian Zuber, CEO von GermanZero
Julian Zuber, CEO von GermanZero

Zum Weiterhören: ErfolgsHACKS von Julian Zuber

Eigentlich war sein Lebenslauf als erfolgreicher, sprichwörtlicher Yuppie schon vorgezeichnet: Julian Zuber ist Anfang 30, hat in Oxford einen Master of Science gemacht und an der Hertie School of Governance promoviert. Er hat in der Beratung gearbeitet und wurde vom Magazin Forbes als einer der „40 under 40“ ausgezeichnet. Anders als es die implizite Erwartung an einen derart ambitionierten CV vermuten lässt, fährt er weder einen großen Firmenwagen, noch trägt er einen Vielfliegerstatus stolz vor sich her. Stattdessen ist Julian Zuber CEO der Klima-NGO GermanZero, die ein Gesetzespaket geschnürt hat, mit dem Deutschland bis 2035 klimaneutral werden kann – wenn die politisch Verantwortlichen endlich in die Umsetzung kommen würden. Damit ist er ein echter Beweis dafür, dass Klimaschutz nichts mehr mit Wollsocken und Kaffeeklatsch zu tun hat.

GermanZero ist eine NGO aus der Mitte der Gesellschaft, die konstruktiv aktivistisch ist und das Ziel verfolgt, Deutschland auf den 1,5-Grad-Plan zu bringen, der seit dem Pariser Klimaabkommen die Messlatte ist. Erreicht wurde dieses Ziel bisher noch nicht und auch der Weltklimagipfel in Glasgow im vergangenen Jahr hat nur Ergebnisse im Bereich einer Minimallösung generiert. Julian Zuber lässt das aber nicht die Hoffnung verlieren, denn gerade sehr kleine Fortschritte spornen ihn an. Sie haben ihm gezeigt, dass GermanZero genau dort ansetzt, wo es wichtig ist: „radikal umsetzungsorientiert“ mit konstruktiven Forderungen in der nationalen Debatte um mehr Klimaschutz.

Wie der Klimaschutz von der Corona-Pandemie profitieren kann

Die Debatte um den Klimaschutz ist in den vergangenen Pandemiejahren an die Seitenlinie verbannt worden. Corona hat Ressourcen und Energie gebunden und leider vom Klimathema abgelenkt. Dennoch, so Zuber, seien einige Erkenntnisse gereift: Beispielsweise, dass Anpassungskosten immer höher sind als Vermeidungskosten. Dass „etwas das man nicht sieht, sehr Probleme machen kann“ und dass Wissenschaftler:innen diejenigen sind, die effektive Lösungen präsentieren können. Die Parallelen zur Klimakrise sind unverkennbar und so hofft Zuber, dass sich das neue Verständnis für Verantwortung für die Gesellschaft nun verfestigt. Die Akzeptanz der Einschränkungen, die die gesamte Gesellschaft über sich hat ergehen lassen, ist für ihn eine unfassbare Kulturleistung, auf die wir uns auch was einbilden können”, die nur durch die „Trias aus Betroffenheit, einem klaren Plan und einer erklärten Notwendigkeit“ zu rechtfertigen war. Wenn es nach dem Abklingen der Pandemie dann darum geht, die im Verhältnis zu Corona zwar abstraktere, aber faktisch bedrohlichere Klimakrise aufzuhalten, erhofft er sich eine ähnlich große Disziplin. Denn „massive Einschränkungen werden dann akzeptiert, wenn sie als notwendig erachtet werden“.

Ich will ein sinnvolles Leben führen.

Julian Zuber ist davon überzeugt, dass individuelles Handeln für die Erreichung der Klimaziele bei weitem nicht ausreicht. Der Verzicht auf ein Auto, Fernreisen oder der private Ausgleich der CO2-Bilanz, all das seien viel zu kleine Tropfen auf einem heißen Stein. GermanZero verfolgt deshalb einen intersektionalen Ansatz, der die großen systemischen Hebel bewegt – die Schaffung von neuen regulatorischen Rahmen in den Bereichen Energie, Landwirtschaft, Verkehr, Gebäude.

Das bedeutet auch, so Zuber, dass der Preis für bestimmte Dinge steigen muss, beispielsweise für Fleisch. Der ganzheitliche Ansatz von GermanZero, der im Gesetzespaket reflektiert ist, strebt aber einen sozialverträglichen Ausgleich und die Schaffung von Alternativen an. Auch der Preis von CO2 muss steigen und der Handel mit CO2-Zertifikaten konkret verhandelt werden. Genau so wie es, wenn es nach GermanZero geht, ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz verabschiedet werden muss, das eine viel leichtere zentrale Planung von erneuerbaren Energien und viel bessere Deregulierung in der dezentralen Energieversorgung ermöglicht.

Neue Lösungen für alte Probleme

Das sind nur wenige der vielen konkreten Maßnahmen, die GermanZero mit der Hilfe von zahlreichen Ehrenamtlichen ausgearbeitet hat: als aktive zivilgesellschaftliche Organisation, die Gesetze schreibt und die alte Lobby mit den eigenen Waffen schlagen will, um regulatorische, technische und politische Herausforderungen, die viel zu lange ignoriert wurden, endlich anzugehen.

Warum Zuber sich dazu entschieden hat, im Non-Profit-Bereich Verantwortung zu übernehmen? „Ich will ein sinnvolles Leben führen”, sagt er. Politisch geprägt sei er schon immer gewesen, zuerst in der Wissenschaft, dann in einem von ihm mit gegründeten Think Tank, dann in Beratungsprojekten für den öffentlichen Sektor und schließlich nun bei GermanZero. Immer getrieben von der Frage, wie man als Großgesellschaft zusammenleben kann und inspiriert von Menschen wie dem ehemaligen Kulturstaatsminister Hans Maier oder Igor Levit, die sich selbst treu bleiben, aber nicht davor zurückschrecken, Aktivisten zu sein. Herausforderungen zeigen sich immer in anderen Gesichtern, sagt Zuber, deshalb ist der Schritt in eine NGO – heute im Rückblick betrachtet – für ihn immer noch der richtige Schritt.

Wie GermanZero mit Klimaentscheiden die Selbstwirksamkeit aller Bürger:innen fördern will und was Julian Zuber von einer Solarzellenpflicht hält, das alles könnt ihr in Episode 51 des #ErfolgsgeDANKE-Podcasts hören.

Link:

Website von GermanZero

Zum Weiterhören: ErfolgsHACKS von Julian Zuber

Leadership- und Karriere-Tipps für zwischendurch: Hier sind die #ErfolgsHACKS von Julian Zuber! Der CEO der Klima-NGO GermanZero erklärt, warum es Mut braucht, sich politisch zu positionieren und warum er sich jede Woche mit einer ihm unbekannten Person trifft.